Die Über-mich-Seite ist die meistbesuchte Seite auf vielen Unternehmens-Websites. Und gleichzeitig die Seite, die am schwersten zu schreiben ist.
Der Grund ist einfach: Wir wurden unser ganzes Leben lang darauf trainiert, nicht zu prahlen. Nicht zu laut über uns selbst zu reden. Bescheiden zu sein. Und dann sitzen wir vor einem leeren Dokument und sollen über uns schreiben. Und schreiben dann Sätze wie:
„Mit über 15 Jahren Erfahrung und einem leidenschaftlichen Team bieten wir Ihnen…“
Oder: „Als zertifizierte Expertin für XY stehe ich für höchste Qualität und…“
Das klingt nicht nach einem Menschen. Das klingt nach einer Broschüre.
Das eigentliche Problem
Die meisten Über-mich-Seiten scheitern nicht weil die Person zu wenig zu erzählen hätte. Sie scheitern, weil die Person versucht, sich zu beweisen, statt zu erzählen.
Beweisen klingt so: „Ich habe 200 Kunden betreut und 15 Auszeichnungen gewonnen.“
Erzählen klingt so: „Ich bin damals in die Selbstständigkeit gegangen, weil ich wusste, dass ich meinen Kunden mehr geben kann als jede Agentur.“
Beides kann wahr sein. Aber nur eines davon macht neugierig.
Was Menschen auf der Über-mich-Seite wirklich suchen
Wenn jemand auf deine Über-mich-Seite klickt, stellt er sich eigentlich eine einzige Frage: Kann ich dieser Person vertrauen?
Nicht: Wie viele Zertifikate hat sie? Nicht: Wie viele Jahre Erfahrung bringt sie mit?
Sondern: Ist das jemand der mich versteht? Der weiß, was ich brauche? Der so denkt wie ich?
Das kann man nicht durch Auflistungen beweisen. Nur durch Geschichten.
Drei Fragen die helfen
Warum machst du das, was du machst?
Nicht die offiziell-klingende Version. Sondern die ehrliche. Was hat dich dazu gebracht? Welche Entscheidung, welches Erlebnis, welche Überzeugung steckt dahinter?
Was würde dein liebster Kunde über dich sagen?
Nicht was du dir wünschst, dass er sagt. Sondern was er tatsächlich sagen würde, wenn er einem Freund von dir erzählt. Diese Perspektive von außen bringt oft den Kern auf den Punkt.
Was machst du anders als alle anderen in deinem Bereich?
Nicht „was bietest du an“ – das steht schon auf der Leistungsseite. Sondern: Wie gehst du vor? Was ist deine Haltung? Woran erkennst du einen guten Tag in deiner Arbeit?
Ein konkretes Beispiel
Stell dir eine Immobilienmaklerin vor. Die typische Über-mich-Seite würde so beginnen:
„Mit langjähriger Erfahrung im oberösterreichischen Immobilienmarkt biete ich Ihnen professionelle Beratung beim Kauf und Verkauf von Immobilien.“
Das könnte von jeder sein.
Die ehrlichere Version wäre: „Ich bin in die Immobilienbranche gegangen, weil ich selbst erlebt habe, wie es sich anfühlt, beim größten Kauf des Lebens allein gelassen zu werden.“
Plötzlich weiß man wer da spricht. Und warum man ihr vertrauen kann.
Was Loben und Erzählen unterscheidet
Loben ist, wenn du sagst: „Ich bin die Beste.“
Erzählen ist, wenn du so viel über deinen Weg und deine Haltung erzählst, dass der Leser selbst auf den Gedanken kommt: „Die ist gut.“
Das ist der Unterschied. Und er macht alles aus.
Wie lang sollte die Über-mich-Seite sein?
Kurz genug, dass jemand sie wirklich liest. Lang genug, dass ein echtes Bild entsteht.
Eine gute Faustregel: drei bis fünf kurze Absätze. Kein Lebenslauf, keine Aufzählung von Stationen. Besser ein roter Faden, der erklärt wer du bist, warum du das machst und für wen du arbeitest.
Der häufigste Fehler
Der häufigste Fehler bei der Über-mich-Seite ist nicht Übertreibung oder Prahlerei.
Es ist Unsichtbarkeit.
Menschen, die so bescheiden schreiben, dass man am Ende gar nichts über sie weiß. Die so neutral formulieren, dass keine Persönlichkeit durchscheint. Die so vorsichtig sind, dass der Text niemanden anspricht – weil er niemanden ausschließt. Eine
Über-mich-Seite, die niemanden abschreckt, begeistert auch niemanden

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